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Das Teilen des Wohlstands gehört dazu - Johannes Rau zu Ursachen und Konsequenzen

Der Bundespräsident hat dem Deutschlandfunk ein ausführliches Interview gegeben. Daraus einige Auszüge : (Hervorhebungen von mir - Link zum vollständigen Text ganz unten)


"
Dies ist ein Angriff auf die Zivilisation insgesamt - nicht auf Amerika allein, nicht auf den Kapitalismus allein, nicht auf Globalisierung allein, sondern auf die Zivilisation, die in vielen, vielen Jahrhunderten aufgebaut worden ist. Und darum müssen wir mit zivilen Mitteln agieren. Das ist das Erste."

"
Der Fundamentalismus ist der Feind des Glaubens, und nicht seine Basis. Glaube führt zur Weltliebe, zur Offenheit gegenüber anderen Menschen. Wir dürfen jetzt weder Völker noch Religionen noch Kulturen in den Anklagezustand versetzen, sondern wir müssen realisieren: Fanatismus ist ein Feind der Kultur, gleichgültig, von welcher Seite er kommt. Und wir wissen als Deutsche, wohin Fanatismus führt; also müssen wir dem Fanatismus absagen."

"Wir wissen ja gegenwärtig nicht, wo dieser Terrorismus eigentlich zu Hause ist. Aber richtig ist die Erkenntnis, dass es in einer immer ärmer werdenden Welt keine Inseln des Wohlstands geben kann, und
dass Teilen dazugehört, und dass Gerechtigkeit und Friede nur erreichbar sind, wenn sie für alle Menschen angestrebt werden und nicht für manche zuerst und für manche erst am Sankt-Nimmerleinstag. Insofern ist kluges politisches Handeln das Wichtigste, wichtiger als jede schnelle militärische Reaktion."

"Ich habe vor wenigen Wochen darauf hingewiesen, dass 18.000 Kinder jeden Tag an Hunger sterben.
Ich habe darauf hingewiesen, dass wir zu den Industrienationen gehören, die weit unter dieser 0,7-Grenze [ Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttosozialprodukt - K.K.] liegen, die vor mehr als 30 Jahren von den Vereinten Nationen beschlossen worden ist. Da tröstet mich auch nicht, dass andere noch schlechter liegen, sondern ich glaube schon, dass wir die weltweite Dimension in den Blick nehmen müssen [...]"

"[...] die vernünftigen Stimmen zu verstärken und die wortreichen Schreier leiser werden zu lassen - das gehört mit zur politischen Kultur, die jetzt gefordert ist."

"[...] nach meinem Eindruck
haben wir hier in den letzten Jahren mehr Integrationsleistung erbracht, als das im öffentlichen Bewusstsein ist. Das gilt vor allen Dingen für die Arbeitswelt, und das gilt für die großen Betriebe. Und wer zusammen arbeitet und zusammen lebt, der baut dabei auch Feindbilder ab."

"Wir haben ja gesehen, dass jedenfalls nationale Sicherheitskonzepte, denen wir bisher Perfektionismus unterstellt haben, offenbar dann nicht funktionieren, wenn Menschen sich selber zu Waffen machen. Und das haben wir erlebt im Nahen Osten, das erleben wir in Amerika. Das ist schrecklich und gibt dem Ganzen eine andere Dimension. Deshalb muss deutlich sein:
Hier geht es nicht nur um Technik, sondern hier geht es um Menschenbilder. Und das ist eine Bildungs-, eine Erziehungs-, eine Glaubens-, eine Kulturfrage, und wer da fundamentalistisch reagiert, der kann die Lösung nicht finden. Wir leben in einer Zeit, in der gibt es Verführer, die haben für alles eine Antwort und für nichts eine Lösung. Und die zu decouragieren, ihnen zu zeigen, dass Ideologien nicht weiterhelfen, das ist heute kluge Politik."

"
Wir müssen abrüsten, was die Worte angeht, und ich glaube, dass Behutsamkeit in der Sprache mit dazugehört. Wenn wir deutlich machen: Keine der Weltreligionen ist auf Gewalt angelegt, aber in allen Weltreligionen gibt es gewalttätige Verführer - dann sind wir schon ein Stückchen weiter; denn was uns jetzt nicht passieren darf, ist, dass es einen Krieg des Evangeliums gegen den Islam gibt . . ."

"Wer von den Kreuzzügen etwas weiß, der weiß, wieviele Menschen dabei zu Tode gekommen sind, obwohl sie schuldlos waren. Und Kreuzzüge helfen keinem weiter. Deshalb
brauchen wir mehr Samariter und weniger Krieger Gottes."



zum Volltext des Interviews auf dern Seiten des Deutschlandfunks
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