jkkkk
KOHNpage.de
„Deutschland – nicht
  mehr das Land der
  Dichter und Denker ?!

   Wo bleibt die Motivation zum
   Studium ?"
Menü für Studierende
KOHNtexte
Sie haben mich gebeten, einen Auftakt zur Podiumsdiskussion zu formulieren. Die Diskussion hat das Thema: „Wo bleibt die Motivation zum Studium ?“
Erlauben Sie mir, diese Diskussion dadurch anzuregen, dass ich einige Ergebnisse aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit einigen sehr persönlichen Thesen verknüpfe  -  persönliche Thesen allerdings, die gereift sind während einer langen Beschäftigung mit dem Arbeitsmarkt für Akademiker in Deutschland und mit dem Bild, das über diesen Arbeitsmarkt in der Öffentlichkeit verbreitet wird und verbreitet ist.

Wo also bleibt die Motivation zum Studium ?

These eins
Die PISA-Studie hat gezeigt, was man auch in Deutschland schon lange hätte wissen können, aber nicht wissen wollte:
Unser dreigliedriges Schulsystem lässt wertvolles Bildungspotenzial brach liegen. Es sortiert nach sozialer Herkunft, es verfestigt soziale Benachteiligungen und es versagt beim Fördern der Schwächeren. Praktisch alle anderen Nationen haben längst ein integriertes Schulsystem mit deutlich höherer Durchlässigkeit nach oben. Und so bleibt in Deutschland schon die Zahl derjenigen, die eine Motivation zum Studium aufbauen könnten, erheblich kleiner als nötig und möglich.

These zwei
Die deutsche Kultur ist trotz ihrer stolzen Selbstberufung auf die Geistesgrößen ihrer Geschichte  - Wir haben ja im Titel dieser Veranstaltung auch wieder das Selbstporträt einer Nation der „Dichter und Denker“. – sie ist trotz dieses Stolzes in der Tendenz akademikerfeindlich. Oder zumindest doch: Sie bleibt skeptisch gegenüber dem ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen akademischer Bildung und Arbeit. Typische immer wiederkehrende Motive in der Bildungsdiskussion sind das Ausspielen der Bildungswege gegeneinander und die These vom Überfluss vermeintlich praxisferner und unproduktiver akademischer Bildung.

          FOLIE SCHMIDT- und Handwerks-Zitate

Wer sich für ein Studium entscheidet, findet sich deshalb häufig genötigt, diese Entscheidung gegenüber Skeptikern von allen Seiten zu rechtfertigen und zu verteidigen.

These drei
ist eng mit dieser Beobachtung verknüpft:
Selbst dort, wo seit erst kurzer Zeit wieder für Studium geworben wird, geschieht dies in einer unsachgemäßen Verkürzung auf die technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen. Geworben wird um IT-Fachkräfte, Hochschulen halten es für ein Zeichen attraktiver Modernität, wenn sie ihre Universalität auf technische Disziplinen zurückschneiden und betreiben ihre Umbenennung in Technische Universität (TU) oder Technische Hochschule (TH).
Dies alles geschieht, obwohl Deutschland längst in der Welt der Dienstleistungs-Produktion angekommen ist.

          FOLIE Tätigkeiten im Arbeitsmarkt 2010

Gut zwei Drittel der Menschen arbeiten in Dienstleistungsberufen, die Arbeitsmarkt-Prognostiker erwarten eine Ausweitung dieses Anteils auf drei Viertel.
Das öffentliche Bewusstsein von Arbeit und Wertschöpfung aber ist in der gloriosen Vergangenheit der technikinduzierten Industrialisierung stecken geblieben.
Und so erlauben wir uns seit kurzem wieder zu Maschinenbau und Informatik zu ermutigen, weiter aber all jene Studieninteressierten abzuschrecken, deren fachliche Wünsche angeblich arbeitsmarktfern sein sollen: Politologen und Soziologen, Anglisten und Linguisten, Pädagogen und Psychologen, also all jene, die in einer alternden Gesellschaft auf dem Weg in die Informations- und Wissensproduktion mit zu den stärksten Gewinnern am Arbeitsmarkt zählen.
Impulsreferat zur gleichnami-gen Podiums-diskussion an der Europa-Universität Viadrina
Frankfurt an der Oder am
12. Juni 2002
Karl-Heinz P. Kohn
Seite 1 von 2
zur nächsten Seite
Hilfe bei Kauderwelsch:
Wort markieren - egal wo
hier auf Mr.Check klicken
Erklärung erscheint